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Willkommen in der Anstalt! Gesellen Sie sich zu den Patienten in Zimmer 72, auf der Station Odessa, und lassen Sie sich indoktrinieren, malträtieren, geistig umkrempeln ... oder lassen Sie sich doch einfach fallen: in die totale (tonale) Audiotherapie (um diese neuartige Behandlung auch auf eine internationale Basis stellen zu können, wurde für deren Tondokument der englische Begriff, „audiotherapy“, gewählt.)
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Durch die geschickte Manipulation von elektronischen Klangerzeugern werden die Gehirnwellen auf Linie gebracht, der massive Einsatz von tieffrequenten Impulsschüben, im neudeutschen Volksmund auch „Beats“ genannt, sorgt für die gezielte Steuerung der Herzfrequenz, und die Repetition von digitalisierten Naturgeräuschen - die wissenschaftliche Bezeichnung lautet „Samples“ - dient zugleich der Indoktrination und der Zustandsbeschreibung. Als schnöder kommerzieller Tonträger getarnt, und, mit dem Ziel der besseren Erreichung der durch permanenten audiovisuellen Overload aus den Medien geprägten Zielgruppe, um einen Bildtonträger der Kategorie DVD zur „videotherapy“ erweitert, wird diese schonungslose Infiltration des menschlichen Geistes in die Wohnzimmerstuben der Weltbevölkerung gebracht. Was als, zugegebenermaßen recht anspruchsvolles, Machwerk elektronischer Musik daherkommt, ist in Wirklichkeit ... nein, nein, nein – es handelt sich nur um eine einfache Schallplatte mit gut gemachtem Electro – eine einfache Schallplatte – eine einfache...
Über das Patientenkollektiv aus Zimmer 72 ist wenig bekannt, da die Akten von der übergeordneten Anstaltsbehörde nicht freigegeben wurden. Sicher ist, dass es sich um drei Personen handelt, die auf die Rufnamen Andreas „Thedi“ Thedens, Matthias Kulcke und Stephan Thiemicke hören. Es ist ebenfalls ein Fakt, dass diese drei Personen des öfteren Ausgang aus der Anstalt bekommen, um die Audiotherapie als „live Therapie“ in die ganze Welt zu tragen. Diejenigen Anwesenden, die danach noch befragt werden konnten, berichteten von außergewöhnlichen Konzerterlebnissen mit ziemlich seltsamer Bühnenshow. Die anderen Anwesenden bezeichneten sich als geheilt und brachten fortan 18 Stunden am Tag mit dem Hören der KiEw-Tondokumente, sowie dem hemmungslosen und exzessiven Surfen auf www.kiew.org und dem dazugehörigen Forum zu. Es ist auch bekannt, dass die „audiotherapy“ nicht das erste Tondokument der drei Anstaltsinsassen ist. Aber seien wir doch ehrlich: wer in hiesigen, digitalen, Zeiten noch eine analoge Vinyl-Scheibe veröffentlicht, die dann auch noch auf den ominösen Titel „Festplatte“ hört, und somit das scheinbare Gegensatzpaar von „analog“ und „digital“ wieder in sich vereint, der kann doch nur ein Genie oder völlig wahnsinnig sein. Hmm... warum eigentlich sitzen die drei Herren in einer Anstalt? Was steckt hinter der „Station Odessa“? Warum „Zimmer 72“? Und was bedeutet überhaupt „KiEw“? Fragen, auf die nicht einmal das Patientenkollektiv selbst eine Antwort weiß, die sie aber versuchen, in gemeinsamer Arbeit mit alten und neu gewonnenen Anhängern in einer immer währenden Audio-, Video- und Live-Therapie zu beantworten. Und seien wir doch einmal ehrlich... sind wir nicht alle ein bißchen „KiEw“? Oder ist nur der Autor dieser Zeilen verrückt?
Mit freundlicher Genehmigung von Out Of Line
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